Ergotherapie — allgemeine Informationen

Die Ergotherapie zählt zu den medizinischen Heilberufen, ist Leistungsbestandteil der Krankenkassen und kann von Menschen jeglichen Alters in Anspruch genommen werden.

Ärztliche Verordnung

Für ergotherapeutische Massnahmen benötigen Sie ab 01.01.2021 eine Heilmittelverordnung Nr. 13 oder ein Privatrezept. Abhängig von der Erkrankung entscheidet Ihr Arzt darüber, ob die Ergotherapie und welches Heilmittel für Sie geeignet ist. Die Verordnungsgrundlage sind die Heilmittelrichtlinien (letzte Aktualisierung 1.1.2021) sowie der Rahmenvertrag Ergotherapie, welcher zum 1.1.2022 neu in Kraft getreten ist.

Ergotherapeutische Heilmittel

Die Heilmittel der Ergotherapie unterscheiden sich in der Dauer als auch in den eingesetzten Therapiemethoden:

  • motorisch funktionelle Behandlung EMS - Behandlungszeit 30 Minuten
    dient der Therapie krankheitsbedingter Schädigungen der motorischen Funktionen und Strukturen mit und ohne Beteiligung des peripheren Nervensystems und den daraus resultierenden Beeinträchtigungen der Aktivitäten und Teilhabe unter Berücksichtigung individueller Kontextfaktoren.
  • sensomotorisch- perzeptive Behandlung ESP - Behandlungszeit 45 Minuten
    dient der Therapie krankheitsbedingter Schädigungen der sensomotorischen und/oder perzeptiven Funktionen mit daraus resultierenden Beeinträchtigungen von Aktivitäten und ggf. der Teilhabe unter Berücksichtigung individueller Kontextfaktoren. Sie ist ein komplexes Therapieverfahren mit häufig mehreren Therapiezielen.
  • psychisch - funktionelle Behandlung EPS - Behandlungszeit 60 Minuten
    dient der Therapie krankheitsbedingter Schädigungen mentaler Funktionen, insbesondere psychosozialer, emotionaler, psychomotorischer Funktionen und Funktionen der Wahrnehmung und der daraus resultierenden Beeinträchtigungen von Aktivitäten und ggf. der Teilhabe unter Berücksichtigung individueller Kontextfaktoren.
  • Hirnleistungstraing · neuropsychologisch- orientierte Behandlung EHT - Behandlungszeit 30 Minuten
    dient der Therapie krankheitsbedingter Schädigungen der mentalen Funktionen, insbesondere der kognitiven Schädigungen und der daraus resultierenden Beeinträchtigungen von Aktivitäten und ggf. der Teilhabe unter Berücksichtigung individueller Kontextfaktoren.
  • Thermotherapie · THA - Anwendung während der Behandlungszeit
    ergänzt eine motorisch-funktionelle oder sensomotorisch-perzeptive Behandlung. Diese Therapien werden durch die Thermotherapie erleichtert, verbessert oder überhaupt erst möglich.
  • Anfertigung von Schienen · diese Maßnahme setzt eine genaue Kenntnis der Möglichkeiten und Einschränkungen der Patienten voraus
    ergänzen im Einzelfall die Behandlung und dienen der Herstellung, Anpassung und Korrektur temporärer Schienen (inkl. Redressionsverfahren) zur sachgerechten Lagerung, Fixation oder Korrektur von Extremitäten. Sie dienen der Unterstützung physiologischer Funktionen und der Wiederherstellung alltagsrelevanter Fähigkeiten.

Leistungen und Tätigkeiten neben der Therapiezeit

Die Vergütung, die wir erhalten ist immer berechnet aus der Behandlungszeit plus 15 Minuten Vor- und Nachbereitung. Nur so bekommen wir die Tätigkeiten neben der Therapie auch vergütet:

  • Durchführung und Auswertung der ergotherapeutischen Diagnostik und Befundung
  • Aufstellen des individuellen Therapieplans
  • Vor- und Nachbereitung des Therapieplatzes und der Therapiemittel
  • Verlaufsdokumentation
  • interdisziplinärer Austausch mit anderen beteiligten Berufsgruppen
    wie z.B. Ärzten, Physiotherapeuten, Logopäden und Pädagogen
  • Beratung des Patienten und seiner Bezugspersonen
  • Beratung zur Integration in das häusliche und soziale Umfeld
  • Beratung zu Hilfsmitteln
  • Arztberichte

Die Ergotherapie basiert auf medizinischer, sozialwissenschaftlicher und handlungsorientierter Grundlage.

Grundannahmen in der Ergotherapie: Menschen sind von Natur aus handelnde Wesen · Aktivität und Teilhabe haben einen wichtigen Einfluss auf die Gesundheit eines Menschen · Menschen können Störungen und Einschränkungen im Handeln erfahren · Das Handeln kann als Ausgangspunkt für Veränderung genutzt werden · Die Umgebung kann als Ausgangspunkt für Veränderung genutzt werden.

Kosten für Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen

Bei gesetzlich Krankenversicherten übernimmt die Krankenkasse die Behandlungskosten.

Bitte beachten Sie: Sind Sie über 18 Jahre alt, sind Sie grundsätzlich zuzahlungspflichtig. Sie müssen einen Eigenanteil von 10% der Behandlungskosten plus 10Euro pro Rezept selbst tragen.

Wenn Zuzahlungen für Heilmittel und Medikamente 2% (bzw. 1% bei chronischen Erkrankungen) Ihres Bruttojahreseinkommens überschreiten, können Sie bei Ihrer Krankenkasse eine Zuzahlungsbefreiung beantragen.

Bitte legen Sie uns eine gültige Zuzahlungsbefreiung bei Behandlungsbeginn vor, wenn Sie diese besitzen.

Kosten für Privatversicherte und Beihilfeberechtigte

Mit Versicherten der privaten Krankenkassen und mit Beihilfeberechtigten schließen wir einen rechtlich bindenden Honorarvertrag bzw. eine Vergütungsvereinbarung ab.

Nach erbrachter Leistung reichen Sie unsere Rechnung bei Ihrer PKV oder der Beihilfe ein und erhalten (Teil-) Rückerstattungen.

Wenn Sie im Vorfeld prüfen möchten wie hoch Ihr Eigenanteil ist, können wir Ihnen gerne einen Kostenvoranschlag zukommen lassen.

Ganzheitlich betrachten wir Menschen jeden Alters in seinen Beziehungen zwischen ihm, seiner Umwelt, seinen Aktivitäten und seiner Teilhabe. Daraus folgt, dass bei (Betätigungs-) Problemen alle Faktoren berücksichtigt werden müssen, um einen zufriedenstellenden Lösungsweg zu finden.

In einem Erstgespräch gewinnen wir einen Eindruck über den Grund Ihres Kommens oder der Ihrer Angehörigen / Ihres Kindes und Sie formulieren hier erste Veränderungswünsche.

In den darauffolgenden Therapiestunden analysieren und befunden wir Funktionen, Stärken und Fähigkeiten als auch Schwierigkeiten und Schwächen.
Hierfür setzen wir standardisierte Tests, Assessments und Screenings ein.

Dann beginnt die ergotherapeutische Behandlung, in der Behandlungsmethoden und Behandlungskonzepte anhand Ihres Beschwerdebildes und Ihren therapeutischen Zielsetzungen ausgewählt werden.

Die übergeordneten Ziele der Ergotherapie sind in allen Fachbereichen gleich: Alltägliche Handlungen und Aktivitäten werden zufriedenstellend ausgeführt, die damit verbundene selbstbestimmte Teilhabe am sozio-kulturellen Leben wird ermöglicht und beeinträchtigte Fähigkeiten und Funktionen werden verbessert, wiederhergestellt oder kompensiert.

Je nach Fachbereich sind die Therapieziele funktionsorientiert oder betätigungsorientiert.

Manchmal müssen erst Funktionen angebahnt werden um Alltagsaktivitäten wieder durchführen zu können.


Erfolgversprechende ergotherapeutische Ziele werden heutzutage nach den COAST -Regeln aufgestellt:

C lient ·  Der/die (erweiterte) Klient:in führt
O ccupation · welche Betätigung oder Aktivität?
A ssist level · mit welchem Level an Unterstützung oder selbstständig?
S pecial circumstances · unter welchen Bedingungen oder besonderen Umständen?
T imeline · in welcher Zeit? bis zu welchem Zeitpunkt?

(wieder) aus.

Die ergotherapeutischen Ziele erreichen wir durch spezifische Aktivitäten und Übungen, der Umweltanpassung sowie der Angehörigen-, Eltern-, Umfeld- oder Hilfsmittelberatung.